Ladino

        Ladino bedeutet latín = Latein. Das ist die Sprache, die mit den Römern in die Region
        kam und dort weiterlebte, sich mit den regionalen Dialekten vermischend und
        Worte aus dem Arabischen und Hebräischen aufnehmend.
        Der Prozeß der Herausbildung einer einheitlichen Nationalsprache in Spanien vollzog
        sich in den Jahrhunderten um 1492. Aber erst nach diesem Datum manifestierte sich
        die Dominanz der kastilischen Version gegenüber der katalanischen, baskischen usw..
        Das, was wir heute einfach Spanisch nennen, bezeichnen die Spanier immer noch als
        Castellan. Es wurde zu ihrer Staats-Sprache, und feste Regeln für seine Schreibweise
        bildeten sich nach und nach heraus.
        Interessanterweise vollzog sich der Prozeß ähnlich unter den Auswanderern.
        Auch hier wurde das Kastilische zur stärksten und integrierenden Kraft.
        Mit den Auswanderungswellen im 16. und 17. Jahrhundert kamen auch gewisse
        sprachliche Weiterentwicklungen in den sephardischen Kommunen in aller Welt an.
        Was wir heute Ladino nennen, ist dennoch im Kern das mittelalterliche Castellan,
        bereichert über die Zeit mit Worten aus den neuen Heimatländern.
        Es ist dem modernen Spanisch ähnlicher als das Jiddische (ein mittelalterliches Deutsch)
        dem heutigen Deutsch. Deshalb ist es für Spanischsprechende gut zu verstehen,
        sobald man sich auf die Besonderheiten in der Aussprache und Schreibweise
        eingestellt hat.
        Dann mag man, wie ich, den weicheren und zärtlicheren Klang genießen und
        die schlichte Kraft des Ausdrucks, wie er in den Liedtexten erscheint.

        Aussprache-Besonderheiten:
        - das j wird wie sh gesprochen

       
mujer > musher / ojos > oshos
        - h am Wortanfang wird zuweilen f

       hijo > fisho
       - kein n vor o/u
       nuestro > muestro / nosotros > mosotros
       - häufige Verwendung der Verkleinerungsform
       papelito > papelico, candelica , Rahelica...
       - oft v für b : beber >bever
       - escribir > eskrivir
       - quiero >kero ; m´asiento > m´asento ; juego > jugo
       Die Schreibweise (siehe Liedtexte) folgt keinen festen Regeln. Sie ist verschieden je nach
       Region und Überlieferung und versucht eine möglichst genaue lautliche Abbildung.
       Vielfach wurde Ladino auch mit hebräischen Buchstaben ( Rashi ) geschrieben.

       Viel Interessantes über diese Sprache findet sich bei José M. Estrugo in „Los Sefardíes“.
       Wen lebendig gesprochenes Ladino von heute interessiert, der lausche den Interviews mit
       Sepharden aus aller Welt über youtube (siehe Filmempfehlungen unter Unsere Quellen).